Paula war wandern

18/02/2024

Nachdem ich mich drei Tage durch Luang Prabang gestresst habe, dachte ich, nachdem ich gestern in Vang Vieng angekommen bin, ich muss Mal chillen. Deswegen bin ich heute nicht um sieben sondern um neun aufgestanden (und das auch nur weil das GRATIS Frühstück im Hostel um zehn wieder abgebaut wird). Ich hatte einen entspannten Frühstückstalk mit zwei Italienerinnen und einem Neuseeländer und dann habe ich mich aufgemacht zum Pha Ngern View Point. Meinem Ziel für heute. Zuerst ein bisschen an der Straße lang und dann sagte mir ’n Schild, hier lang zum Aussichtspunkt. Soweit so gut. War leider das einzige Schild auf dem ganzen Weg. Die meiste Zeit gab es sowieso nur einen Weg, aber bei der einen, allesentscheiden Weggabelung, die ich passierte, hätte ein Schild schon geholfen. So hab ich einfach vermutet welches wohl der richtige Weg ist. Leider wars der falsche. Das wusste ich aber zu dem Zeitpunkt noch nicht. Ich bin also gelaufen und gelaufen, habe die wunderbare Natur genossen und war voll im wandermode.

Die einzige Sache die mich wunderte, es ging nicht bergauf und das obwohl ich doch zu einem Aussichtspunkt laufe. Naja, dachte ich, vielleicht muss man ja erst um den Berg rum laufen und dann von hinten draufklettern oder so. Irgendwann musste ich dann auch tatsächlich klettern, allerdings nicht nach oben sondern eher nach vorne. War abenteuerlich und hat auch Spaß gemacht, aber irgendwie ließ mich das Gefühl nicht los, dass ich hier ein bisschen falsch war.

Den Plan umzudrehen hatte ich trotzdem nicht. Wie ich feststellen musste, können sich Pläne aber sehr schnell ändern. Um kurz die Geräuschkulisse des „Dschungels“ ins Spiel zu bringen, man kann es sich wie ein Tropenhaus im Zoo vorstellen, plus ne Menge geraschel im Unterholz, von herunterfallenden Blättern, von Vögeln und Geckos. Ich hatte mir schon vorher Gedanken drüber gemacht ob es wohl auch Schlangen in Laos gibt, mir kamen auch Tipps von anderen Reisenden in den Sinn, wie man im Dschungel am besten gegen Schlangen vorgeht bzw. sich verhält damit man sie nicht erschreckt, weil eigentlich greifen ja die wenigsten Schlangen Menschen an. Aber ich dachte ne, hier gibt’s schon keine Schlangen, alles easy. Auf jeden Fall lauf‘ ich weiter und dann hör ich plötzlich hinter mir ein lauteres Rascheln als gewöhnlich. Ich dreh mich so um und dann ist da ’ne Schlange! Die hat sich zwar ganz schnell ins Gebüsch geschlängelt, aber trotzdem, da war ne Schlange! Ich dachte dachte nur „okey tschau“ und hab direkt Kehrt gemacht. Der Rückweg war weniger chillig. Ich war sehr paranoid und hab schon die Schlagzeile vor mir gesehen „Deutsche Touristin im Dschungel von Laos an Schlangenbiss verendet – Tragisch!“. Ich mein‘, ja Schlangen greifen Menschen normalerweise nicht an (soweit ich weiß), aber was ist, wenn ich ausversehen eine verängstige oder in ihr Haus reintrete und dann fühlt sie sich bedroht und muss sich wehren und beißt mich. Und dann lieg ich irgendwo im Wald auf nem Weg rum auf dem gefühlt nie jemand langläuft und verende kläglich an einer Vergiftung… Ist nicht passiert. Dafür bin ich, als der schmale Waldweg wieder zu einer breiten Schotterpiste wurde auf einen Pickup getroffen, der gerade wendete. Er gehörte ein paar Laotianern und freundlicherweise haben sie mir eine Fahrt auf der Ladefläche und aus der Pampa heraus angeboten. Da hab‘ ich natürlich nicht nein gesagt.
Also stand ich kurze Zeit später wieder an der Straße und brauchte einen neuen Plan. Auf Google Maps fand ich ein paar Meter weiter den Startpunkt für einen anderen Aussichtspunkt. Klingt machbar, dachte ich und machte mich auf den Weg. Ich bezahlte ’n Euro Eintritt, kaufte noch ein (für Laos Verhältnisse) überteuertes Wasser und begann zu kraxeln. Diesmal ging’s nämlich auch tatsächlich Berg auf. Nach guten 45 Minuten war ich am ersten View Point.

Ich machte ein bissl Verschnaufpause und checkte die Karte. Google Maps war nicht sehr hilfreich, da war ich im Nichts, aber Maps.Me verriet mir, dass da noch ein anderer Aussichtspunkt war, ein ‚Higher Viewpoint‘. Nice dachte ich und so ging der Aufstieg weiter. Und wirklich, das war anstrengend, ich habe geschwitzt wie ein Schwein, gehechelt wie ein erschöpfter Hund und mein Herz hat gepumpt wie sonst was. Außerdem hatte ich wieder ein bisschen Panik vor Schlangen. Aber war okay. Maps.Me hat gesagt ich brauche eine halbe Stunde um die 900 Meter und mehr als 200 Höhenmeter hinter mich zu bringen. Ich habe legit doppelt so lange gebraucht. Aber es hat sich gelohnt. Der Blick vom ‚Higher Viewpoint‘ war ja Mal sowas von spektakulär, shüsh. Und es war niemand da, nur ich und die unendlichen Weiten der Berge um mich herum, hach.

Dann bin ich wieder runter gegangen. Ich finde immer ein Aufstieg braucht Kraft und ein Abstieg Konzentration. Hier vor allem Konzentration darauf, dass man auf dem Sandboden nicht weg rutscht und mies hinfällt. Natürlich ist es trotzdem auch körperlich anstrengend, wirklich, meine Beine haben sich angefühlt wie Pudding und ich bin diesen Berg basically einfach nur runtergeschwabbelt. Beim Abstieg habe ich ein paar nette, erschöpfte Laotianer getroffen die mich gefragt haben wie weit es noch ist. „Nicht weit“ hab ich gesagt, „Ihr schafft das!“. Ganz unten habe ich nochmal einen Laotianer getroffen, der konnte kein Englisch, aber er hat mir Orangen geschenkt. Gut genährt und mit 23.000 Schritten auf dem Schrittkonto konnte ich nun den Rückweg antreten. Nocheinmal gute 45 Minuten bis zum Hostel zurück. Machbar. Aber kaum hatte ich den Ticketschalter vom Aussichtspunkt hinter mir gelassen, kam ein Vietnamese auf ’nem Moped vorbei und bot an mich in die Stadt zurück zu fahren. Da sagt man natürlich nicht nein. Also konnte ich das Ende meines Wanderausflugs entspannt auf einem fahrbaren Untersatz genießen und die Heißluftballons beobachten die in den Sonnenuntergang aufstiegen.
Ende

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