Das Reisen und das Teilen
13/02/2024

Ich bin letztens mit dem Boot von Thailand nach Laos gefahren. Sieben Stunden hat’s gedauert. Eingezwängt zwischen zwei Fremden und ohne Kopflehne, aber dafür mit Aussicht auf den Fluss und die Berge und Steinformationen am Ufer. Es war ein Touridampfer. Vollgepackt mit Rucksacktouristen und ich irgendwo dazwischen, als einer von ihnen. Ich war im Beobachtungsmodus, hatte keine Lust auf großartige Interaktion, habe einfach nur observiert. Und wie ich da so saß, rumgeschaut und nachgedacht habe, ist mir wieder ein Thema in den Sinn gekommen über das ich schon öfter nachgedacht habe:
Das Reisen und das Teilen
Neben mir saß ein Pole (Wir waren in der selben „Reisegruppe“, deswegen wusste ich, dass er Pole war), er hatte ein Handy und er hatte Instagram. Ich lüge nicht, wenn ich sage, dass er 80% der Bootsfahrt damit verbracht hat Storys zu Posten, zu schauen wer die Storys anschaut, sein Profil anzuschauen, seinen Feed anzuschauen noch eine Story zu Posten, zu schauen wer seine Bilder kommentiert hat, zu schauen wer die Urlaubsbilder anderer Leute kommentiert hat und noch eine Story zu posten. Ich weiß man schaut nicht auf fremde Handys, aber manchmal passiert das halt. Aber nicht nur er schien ein großes digitales Mitteilungsbedürfnis zu haben, auch ne Menge andere Leute auf dem Boot haben rumgefilmt, Fotos und Selfies gemacht. Die meisten mit dem Handy, es gab aber auch ein paar Spiegelreflexkamera Kandidaten, eine Digicam und eine Videokamera.
Ich weiß nicht warum, aber ich bin genervt von dem ganzen rumfotografieren, vor allem mit Handys. Ständig ist man Leuten im Bild, man fühlt sich beobachtet, versucht normal auszusehen, damit nicht diverse Leute Bilder mit einer unvorteilhaften Paula im Hintergrund besitzen (auch wenn denen das höchstwahrscheinlich sehr egal ist). Ich frag mich, warum muss das sein? Warum muss man Tonnen an Urlaubsfotos haben? Viele davon am besten noch verwackelt oder unscharf. Wirklich, no shit, ich habe unabsichtlich so vielen Leuten aufs Handy gelunst und was die Menschen teilweise für kack Fotos machen, hat man wirklich Freude daran sich sowas später anzuschauen? Mir kann es ja egal sein, klar, es wundert mich nur. Ich denk dann immer, wie war das wohl früher? Da sind die Leute doch (meiner Vermutung nach) auch mit deutlich weniger Fotos klargekommen oder zumindest mit überlegteren. Also ich meine so in der analogen Zeit.
Ich frag mich echt worum es bei Urlaubsfotos geht? Macht man sie um sich selbst zu erinnern oder um sie irgendwo zu posten und zu zeigen wie nice das Leben ist YOLO? Macht man sie, weil man Angst hat sich später nicht mehr zu erinnern? Und macht man mehr Fotos um mehr Details festzuhalten? Kann man seinem eigenen Gedächtnis nicht vertrauen? Ist es überhaupt notwendig sich an alles zu erinnern? Ich weiß es nicht…
Ich war mit einem Amerikaner unterwegs, der hatte eine Polaroid Kamera dabei mit genug „Film“ um jeden zweiten Tag ein Foto aufzunehmen. So überlegt man sich genau ob manchme Sachen ein Foto wert sind. Für ihn ist es wichtig, dass die Leute auf den Fotos sind mit denen er Sachen erlebt, weil jeder kann ein Bild von irgendwelchen Sehenswürdigkeiten machen, aber nicht jeder hat die Menschen drauf mit denen er dort war. Das macht seine Fotos persönlich.

Ich für meinen Teil habe festgestellt, weniger ist mehr, weniger Bilder heißt weniger Balast und Qualität statt Quantität. Ich habe meine Analogkamera dabei und jedesmal wenn ich ein Bild mit meinem Handy machen will, frage ich mich, wäre das auch ein analoges Bild wert. Wenn ja, wird ein analoges Bild gemacht, wenn nein gibt’s halt kein Bild. Nur ab und zu machen ich ein paar Bilder mit dem Handy, damit man die Eltern Zuhause mit ein paar Südostasiatischen Eindrücken beglücken kann.
